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Tagebuch vom Bergteich

Tagebuch vom Bergteich

1.Tag – 03.11.15

Früh morgens um 6 Uhr war Abfahrt und die Vorfreude riesig. Mit einem komplett vollgepackten Auto gings auf nach Österreich an einen Privatsee. Die Hinfahrt verlief sehr problemlos und relativ zügig. Nach 4,5 Stunden singen und blödeln kamen wir schon am Teich an. Als erstes trafen wir dort auf die sechs Heimkehrer, die bereits eine Woche fischen hinter sich hatten. Doch diese verpassten uns erstmal einen Dämpfer, da sie keinen Biss verbuchen konnten. – All das stimmte uns nicht gerade zuversichtlich. In der Hütte am See durften wir dann noch zwei weitere Angelkollegen kennen lernen und natürlich wurde im Anschluss ein Willkommensbierchen mit Wolfgang geleeret. Nach dem Fachgesimpel gings dann auf zu unserem Angelplatz. Diesmal haben wir uns für einen Platz entschieden, der es möglich macht, flexibel verschiedene Plätzte zu befischen. Ausgepackt und Eingerichtet war relativ schnell und so konnten wir bereits um ca. 14 Uhr mit der Platzsuche beginnen. Beim Beobachten des Sees konnten wir drei große Fische entdecken – zwei davon bei nicht einmal einem Meter Wassertiefe und einen weiteren in etwa zwei Meter Entfernung mitten im Freiwasser. An diese Strohhalme klammerten wir uns und legten Ruten bei Wassertiefen von 1,1, 1,3 und 1,7 an verschiedenen Spots auf der Schilfseite aus. Die restlichen Drei setzten wir bei Wassertiefen von 1,5, 1,9 und 2,3m ins Freiwasser. Somit hatten wir sechs verschiedene Plätze um die Fische zu finden – das müsste doch klappen dachten wir.

Die erste Zeit am Wasser verlief wie erwartet sehr ruhig und bei den Fangaussichten konnten wir uns getrost eine Flasche Glühwein gönnen. Am Abend saßen wir dann noch bis 24 Uhr am Steg und beobachteten das Wasser um eventuelle Aktivitäten der Fische zu erkennen.

Die ganze Nacht verlief allerdings vollkommen regungslos.

2.Tag – 4.11.15

Der heutige Tag verlief bisher sehr ruhig, weshalb das erste Erwähnenswerte unser fabelhaftes Abendessen war. Bayrische Bratwürste mit Sauerkraut und selbstgemachten Bratkartoffeln stimmten so zumindest unsere Mägen glücklich.

Doch als wir gerade mit dem Essen fertig waren, piepste es genau zweimal an meiner am weitesten ausgelegten Rute. Vorsichtshalber rannte ich los, denn bei abgesenkter Rute und dieser Entfernung sollte es eigentlich keine Schnurschwimmer geben. An der Rute angekommen, rührte sich allerdings nichts mehr. Der Hänger hing auf Anschlag aber bewegte sich nicht mehr. Ich nahm die Rute in die Hand und fühlte an der Schnur und tatsächlich merkte ich ein leichtes Ziehen. Es war also definitiv noch was dran! Schnell kurbelte ich auf und spürte sofort heftigen Kontakt – also schnell ins Boot um der Gefahr aus dem Weg zu gehen, den Fisch in den abgesenkten Ruten zu verlieren. Mit zwei Booten waren wir draußen und dem Fisch machte es scheinbar keine große Mühe uns bis zur Mitte des Sees hinaus zu ziehen. Nach gut 20 Minuten konnten wir dann den ersehnten Fisch über den Kescherrand ziehen. Mit dieser wertvollen Fracht machten wir uns auf den Rückweg. An Land hielten wir dann ein kurzes Fotoshooting und wogen den Fisch. Der wunderschöne Schuppenkarpfen brachte ein stolzes Gewicht von 18kg auf die Waage.

Das war mal ein gelungener Einstand und die Freude bei uns beiden natürlich riesig. Nach mehr als einer Woche wurde an dem See also endlich wieder ein Karpfen gefangen. Nachdem wir die Rute neu ausgelegt hatten, konnten wir mit gestiegener Zuversicht beruhigt ins Bett gehen.

3.Tag – 5.11.15

Um 3 Uhr morgens wurden wir von einem Dauerton geweckt. In Rekordzeit stand Tobi an seiner Rute und drillte einen Prachtburschen. Nach einem aufregenden Kampf konnten wir einen weiteren Schuppi zum Landgang überzeugen. Auch dieser war gut genährt und brachte stolze 17,5kg auf die Waage.

Nach dem Releasen blieb uns jedoch kaum Zeit zur Freude, denn es kündigte sich bereits der nächste Fisch an. Der Anblick der laufenden Rolle, den wir aus nächster Nähe bestauen konnten, war gigantisch. Tobi konnte den Fisch bis an den Rand drillen, doch 20 Meter vor dem Ufer gewann diesmal der Fisch das Duell. Wie das passieren konnte, wissen wir leider nicht, aber die gute Laune vom Fisch zuvor ließen wir uns dadurch nicht nehmen. Außerdem waren wir froh, dass wir nun schon an drei verschiedenen Plätzen Aktionen verbuchen konnten.

Schnell brachten wir die Ruten neu aus und huschten wieder ins Bett, denn der Wind ließ auch in dieser Nacht nicht nach.

Um halb 8 wurden wir dann überraschenderweise schon wieder geweckt und diesmal durfte ich wieder ran. Ich bestand wie schon beim ersten Drill aufs Boot und auch diesmal entstand wieder eine aufregende Bootstour, bei der uns der Fisch die Richtung wies. Schnell wurde uns klar, dass das einer der ganz Großen sein musste. Mit dieser Erkenntnis stieg in mir die Angst, den Fisch zu verlieren – auch weil ich noch nicht viel Erfahrung mit dem Bootdrillen hatte. Nach einer knappen halben Stunde konnte ich den Fisch dann aber endlich vom Boden hochkriegen und war unfassbar erleichtert als Tobi das Prachtkerlchen über den Kescherrand zog. Nach einem kurzen Fotoshooting wogen wir den Fisch und staunten nicht schlecht. Dieser wunderschöne Schuppenkarpfen wog genau 22,5kg und knackte somit sogar meinen erst kürzlich gefangen PB.

Wir waren mehr als glücklich, denn besser hätte es bei diesen schwierigen Bedingungen (5° am Tag und in der Nacht) für uns nicht laufen können. Da wir in dieser Nacht nicht wirklich viel Schlaf abbekommen haben, versuchten wir noch ein wenig zu entspannen.

Bis zum Abend hin blieben unsere Delkim stumm und auch der Wind beruhigte sich ein wenig. Das Abendessen, Veggi Wraps, war schnell gemacht und so konnten wir noch eine ganze Weile mit Wolfgang plaudern, der uns wiedermal besucht hatte. Da der Himmel zum ersten Mal sternenklar war und die Temperaturen nahe dem Nullpunkt lagen, gingen wir diesmal mit eher mulmigem Gefühl ins Bett.

4.Tag – 6.11.15

Heute wurden wir gegen alle Erwartungen um 2 Uhr morgens geweckt. Diesmal durfte wieder Tobi sein Glück versuchen und schaffte es auch einen 15kg schweren Schuppi zu bergen.

Der Drill war eher unspektakulär und bestätigte, dass sich die Fische schon auf den Ruhemodus vorbereiteten. Nichtsdestotrotz war es ein wunderschöner Fisch und wir freuten uns, auch in dieser kalten Nacht nicht geblankt zu haben. Die restliche Nacht verbrachten wir wegen einer Mäuseplage in unserem Zelt jedoch mit offenen Augen.

Nach einem ausgiebigen Frühstück machten wir uns daran unsere Ruten neu auszufahren und nutzten den verbleibenden Tag zum relaxen. Am Abend zog dann so dichter Nebel auf, dass man kaum noch die eigene Hand vor den Augen erkennen konnte. Den Fischen ging es  offenbar genauso, denn in dieser Nacht fand keiner von ihnen unsere Köder.

5.Tag – 7.11.15

Auch der fünfte Tag blieb ruhig – sowohl von Seiten der Fische, aber immerhin auch vom Wind. Das Wasser war den ganzen Tag komplett ruhig und nur hin und wieder sah man ein paar Fische steigen. Am Abend bekamen wir dann noch Besuch von Wolfgang und Harry (einem Jahresangler am Teich), die uns – “dem erfolgreichen Duo” – sogar eine Kiste Bier spendierten. Bis auf diesen netten Abend passierte an diesem Tag wenig Erwähnenswertes.

6.Tag – 8.11.15

Heute begannen wir bereits recht früh damit alles sauber und trocken zu machen, um zeitig – und vor allem ohne Stress – nach Hause zu kommen. Um 13 Uhr verabschiedeten wir uns dann von den anderen Anglerkollegen, welche bis dahin zwei Fische verbuchen konnten und fuhren anschließend glücklich und zufrieden nach Hause.

Und wenn wir nicht gestorben sind, dann fischen wir noch heute.

In diesem Sinne Petri Heil!!!

Stefan und Tobias